Die Pille in der Stillzeit

Bald nach der Geburt eines Babys wird für die frischgebackenen Eltern auch das Thema Verhütung wieder wichtig. Die sogenannte „Minipille“ ist ein sicherer Empfängnisschutz, der auch während der Stillzeit angewendet werden kann.

Die Pille wird schnell nach der Schwangerschaft wieder ein Thema

In der ersten Zeit nach der Geburt dreht sich in der Familie alles um den kleinen Neuankömmling: Wickeln und Stillen im Stundentakt, schlaflose Nächte...Nur wenige Paare wollen in dieser Zeit das Risiko eingehen, gleich noch ein Kind zu zeugen. Wenn die Eltern in den kostbaren Stunden zu zweit als Liebespaar zueinanderfinden, sollten sie deshalb sofort wieder konsequent verhüten.

Schwanger nach der Geburt? Schützt Stillen vor erneuter Schwangerschaft?

Die Binsenweisheit, stillende Mütter wären automatisch vor einer erneuten Schwangerschaft geschützt, hält sich hartnäckig. Die Fruchtbarkeit der Frau kann nach der Geburt schneller zurückkommen als häufig angenommen. Fakt ist: Auch, wenn die Mutter ihr Baby regelmäßig stillt, kann sie schwanger werden. Nur die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft ist geringer.

Stillen als Verhütungsmittel – das „Milch-Hormon“ Prolaktin

Das Saugen des Kindes an der mütterlichen Brust regt im Körper der Frau die Produktion des Hormons Prolaktin an. Prolaktin löst die Milchproduktion aus und bremst gleichzeitig jene Hormone, die für die Eierstockfunktion und den Eisprung verantwortlich sind. Ein konstant hoher Prolaktin-Spiegel im Körper kann daher die Zeit bis zum Einsetzen der Fruchtbarkeit nach der Entbindung herauszögern. In diesem Sinne wirkt Prolaktin als Verhütungsmittel. Leider ist das Hormon nicht immer zuverlässig.

Auch stillende Mütter können einen Eisprung bekommen

Frauen, die nicht zufüttern und ihrem Kind konsequent rund um die Uhr (auch nachts!) in kurzen, regelmäßigen Abständen und ausreichend lange die Brust geben, können so hohe und konstante Prolaktin-Spiegel erreichen, dass ein Eisprung relativ sicher unterdrückt wird. Falls noch keine Menstruation nach der Geburt eingetreten ist, besteht daher ein recht guter Verhütungsschutz.

Bei Müttern, die voll stillen, aber längere Stillpausen als vier Stunden einlegen (und natürlich auch bei jenen, die zufüttern und nur teilweise stillen), kann hingegen der Prolaktin-Spiegel zwischenzeitlich so weit absinken, dass es zum Eisprung kommt – und schon während der Stillzeit eine neue Schwangerschaft möglich ist.

Nicht vergessen: Auf die Menstruation ist kein Verlass

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass ein Eisprung in der Regel vor der Menstruation erfolgt. Ein Ausbleiben der Menstruationsblutung ist also kein Anzeichen dafür, dass durch das Stillen ein ausreichender Verhütungsschutz besteht. Immerhin findet bei fast 30 % der Frauen, die voll stillen und noch nicht ihre Periode wieder bekommen haben, ein Eisprung in den ersten sechs Monaten nach der Geburt statt.

Die richtige Pille während der Stillzeit

Viele Paare schätzen die Anti-Baby-Pille als besonders sicheren und unkomplizierten Empfängnisschutz. Die Entwicklung der Minipille macht den Einsatz von hormonellen Verhütungsmitteln auch während der Stillzeit möglich.

Kombinationspillen sind für stillende Mütter ungeeignet

Die meisten Pillen sind Kombinationspräparate, die die Hormone Östrogen und Gestagen enthalten und zuverlässig den Eisprung verhindern. Diese „klassische“ Pille sollte während der Stillzeit nicht angewendet werden, da das enthaltene Östrogen die Milchmenge vermindern und die Zusammensetzung der Muttermilch verändern kann.

Die Minipille: Sicherheit für Mutter und Kind

Die Minipille enthält als einzigen Wirkstoff entweder das Gestagen Desogestrel oder Levonorgestrel. Östrogene sind in der Minipille nicht enthalten. Bei korrekter Anwendung ist die Minipille genauso sicher wie ein Kombinationspräparat. Sie kann in der Stillzeit angewendet werden und beeinträchtigt weder die Menge noch die Qualität der Muttermilch. Beim Stillen gehen Spuren des Wirkstoffs, der in der jeweiligen Minipille enthalten ist, in die Muttermilch über – dies wird aber aus medizinischer Sicht als relativ unbedenklich eingestuft. Bisher zeigte keine vorhandene Studie einen bedeutsamen Einfluss auf das Wachstum oder die Entwicklung der gestillten Kinder.

Minipillen mit dem Wirkstoff Desogestrel bieten doppelten Schutz

Minipillen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sorgen dafür, dass sich der Schleim im Gebärmutterhals verfestigt und Spermien nur sehr schwer zur Eizelle im Eileiter vordringen können. Das Gestagen bewirkt zudem, dass sich die Gebärmutterschleimhaut nur mangelhaft aufbaut. Den Eisprung verhindert der Wirkstoff allerdings oft nicht.

  • Minipillen mit diesem Wirkstoff müssen besonders pünktlich eingenommen werden, Abweichungen von mehr als drei Stunden können den Empfängnisschutz beeinträchtigen.

 

Neuere Minipillen mit dem Wirkstoff Desogestrel bieten noch mehr Sicherheit: Sie wirken auf die gleiche Weise wie herkömmliche Minipillen und unterbinden zusätzlich den Eisprung.

  • Ein weiterer Vorteil von Minipillen mit diesem Wirkstoff ist, dass eine verspätete Einnahme bis zu zwölf Stunden keine negativen Auswirkungen auf den Empfängnisschutz hat.

 

Die Einnahme kann sechs Wochen nach der Geburt beginnen

Die Zeit nach der Entbindung, in der sich die durch die Schwangerschaft vergrößerte Gebärmutter allmählich wieder auf ihre Ursprungsgröße zurückbildet, wird als Wochenbett bezeichnet. Das Wochenbett dauert etwa sechs bis acht Wochen. Danach sollte eine Kontrolluntersuchung beim Frauenarzt erfolgen, der überprüft, ob sich alles regelrecht zurück entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt ist auch ein Gespräch über die Verhütung während der Stillzeit wichtig. Die Gestagen-haltige Minipille ist eine mögliche Verhütungsmethode und bietet einen sicheren Empfängnisschutz während der Stillzeit. Sechs Wochen nach der Entbindung kann mit der Einnahme begonnen werden.